Regionale Datenbasis für den möglichen Wasserstoffhochlauf geschaffen
Die Regionale Kooperation Westküste (Dachmarke: „Energieküste“) legt eine regionale Wasserstoffstrategie vor, in der die Potenziale für die regionale Produktion und Abnahme von grünem Wasserstoff bis zum Jahr 2040 analysiert wurden. Die Strategie wurde vom Projektentwicklungsbüro H2Perform aus Grömitz erarbeitet und zeigt, dass die Westküste aufgrund ihres hohen Angebots an erneuerbaren Energien gute Voraussetzungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft besitzt: Ein hohes Angebot an erneuerbaren Energien trifft auf bedeutende Industriestandorte, geeignete Flächen, verfügbare Wasserressourcen sowie eine sich entwickelnde Wasserstoffinfrastruktur.
Strom vor Ort in Wertschöpfung verwandeln
Bereits heute befinden sich erste Elektrolyseprojekte in Betrieb oder Planung. Gleichzeitig belegt die Studie, dass das technische Potenzial der Region deutlich größer ist als bisher angenommen. Dabei werden die Industriestandorte Brunsbüttel und Heide als potenzielle Wasserstoffnachfragezentren hervorgehoben. Im Verkehrssektor werden Potenziale für die Produktion nachhaltiger Kraftstoffe gesehen. Die Westküste könnte beispielsweise bei der Herstellung von eKerosin künftig eine wichtige Rolle übernehmen. Voraussetzung dafür ist die Ansiedlung entsprechender Produktionskapazitäten an der Westküste, damit die damit verbundene Wertschöpfung in der Region entsteht.
Rahmenbedingungen als entscheidender Faktor
Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass zwischen den technischen Möglichkeiten und der wirtschaftlichen Realität noch eine erhebliche Lücke besteht. „Für die
Westküste ist es entscheidend, bestehende Standortvorteile durch günstige Rahmenbedingungen in Kostenvorteile zu verwandeln, damit Wasserstoff produziert und abgesetzt werden kann. Flächen, Wasser (Abwasser) und grüner Strom sind ausreichend vorhanden“, so der Appell von Dr. Kerstin Meyer, Regionalmanagement Westküste. Entscheidend wären vielmehr wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle, eine verlässliche Nachfrage, der rechtzeitige Ausbau der Infrastruktur sowie langfristig stabile regulatorische Rahmenbedingungen. Besonders die Jahre bis 2030 werden als wichtige Phase für Investitionsentscheidungen und den Markthochlauf bewertet.
12 Empfehlungen für die Politik
Damit aus den Potenzialen konkrete Projekte und Investitionen werden, formuliert die Strategie zwölf Maßnahmen, die sich an politische Entscheidungstragende auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene richten. Dazu gehören unter anderem die Prüfung einer Ausweisung Schleswig-Holsteins als Grünstromzone, die Einrichtung einer ressortübergreifenden Koordinierungs-stelle für Großprojekte auf Landesebene, die Entwicklung eines integrierten Wasserkonzepts sowie die Gründung eines regionalen Wasserstoffbeirats.
Net Zero Valley Schleswig-Holstein als Chance für die Region
Die Ergebnisse der Strategie wurden bereits im Rahmen einer Fachrunde der Energieküste und EE.SH am 22. September 2026 auf der WindEnergy Hamburg diskutiert, in der die Rolle von Wasserstoff als Schlüsselindustrie für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes betrachtet wurde. Dabei stand im Fokus, wie das geplante Net Zero Valley Schleswig-Holstein den Wasserstoffhochlauf an der Westküste unterstützen kann. Es wurden insbesondere die Bedeutung von Planungssicherheit, beschleunigten Genehmigungsverfahren und wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen für Investitionen hervorgehoben. Julius Basler-Meier, Projektleiter und Geschäftsführer von H2Perform, fasst zusammen: „Die Region muss sich durch Aufmerksamkeit, Bewusstseinsschaffung und Marketing als Standort für die Produktion darstellen und die guten Standortbedingungen sichtbar machen. Die H2-Strategie kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn eine Maßnahmenumsetzung ist im Einklang mit der Ausweisung des Net Zero Valley möglich.“
Hintergrund zum Projekt
Die Wasserstoffstrategie wurde im Rahmen des Projekts „RegioStrat Energiekompetenzregion Westküste“ erstellt. Ziel des Projekts ist eine nachhaltige, integrierte Entwicklung der Region mit Zielhorizont bis 2040. Im Projekt wurde ein strategisches Regionalentwicklungskonzept (SREK) erarbeitet. Dabei werden Entwicklungen durch Großansiedlungspotenziale berücksichtigt und gezielte Maßnahmen konzipiert. Das Projekt befindet sich in Trägerschaft des Kreises Dithmarschen.
Förderung
Die Wasserstoffstrategie Westküste ist ein Umsetzungsprojekt aus dem Projekt "RegioStrat Energiekompetenzregion Westküste" und wurde als solches vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und dem dort angesiedelten Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) finanziell gefördert. Mit dem Bundesprogramm "RegioStrat - Strategische Regionalentwicklung" fördern das BMWSB und das BBSR Regionen, die sich aktiv ihren regionalspezifischen Herausforderungen stellen. Das Projekt "RegioStrat Energiekompetenzregion Westküste" wird in der Pionierphase des Bundesförderprogramms als eines von 13 Vorhaben mit 450.000 Euro vom BMWSB/BBSR gefördert. Die Partner der Regionalen Kooperation Westküste sowie die Entwicklungsagentur Region Heide tragen zusätzlich zur Bundesförderung mit Eigenanteilen zur Projektfinanzierung bei.
Ansprechpartnerin und weitere Informationen:
Projektgesellschaft Norderelbe mbH
Regionalmanagement Westküste
Dr. Kerstin Meyer Tel. 04821/17 888-19
E-Mail: meyer@pg-norderelbe.de
Weitere Informationen zu den Themen und Projekten der Regionalen Kooperation Westküste sind unter rk‑westküste.de verfügbar.
Regionale Kooperation Westküste
Die vier Kreise Dithmarschen, Nordfriesland, Pinneberg und Steinburg, die Wirtschaftsförderungsgesellschaften dieser Kreise (Entwicklungsgesellschaft Westholstein mbH, WEP Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg mbH, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland mbH) sowie die Industrie- und Handelskammern zu Flensburg und zu Kiel haben sich 2012 zur „Regionalen Kooperation Westküste“ zusammengeschlossen. Ziel der Kooperation ist es, die Wirtschaftsstruktur der Region Westküste nachhaltig zu stärken. Im Mittelpunkt steht die projektbezogene Zusammenarbeit in verschiedenen Handlungsfeldern, u. a. im Bereich Gewerbeflächenentwicklung. Seit 2014 betreut das bei der Projektgesellschaft Norderelbe mbH angesiedelte Regionalmanagement die Geschäftsstelle der Kooperation.