8. Infrastrukturforum Energieküste
Der Netzausbau wirkt - stark steigender Energie- und Flächenbedarf
Gute Neuigkeiten zum Beginn des 8. Infrastrukturforums Energieküste: „Der Netzausbau an der Westküste wirkt. Es liegen vielfache Anträge für Batteriespeicher, Rechenzentren und Elektrolyseure vor,“ sagte Energiewende-Staatssekretär MEKUN Joschka Knuth in seiner Keynote. Positiv sei auch, dass die Netzentgelte sinken. „Unsere Pläne an der Energieküste laufen durch unsere Erfolgsgeschichte weiter. Wir nutzen unsere Standortvorteile.“
Rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden waren am 13. November 2025, in das Husumer NCC NordseeCongressCentrum gekommen. Es galt, gemeinsam drängende Fragen wie die Weiterentwicklung der Energieinfrastruktur als Schlüssel für die Transformation zu diskutieren. Das Forum fand erstmals in Nordfriesland statt. In seinem Grußwort betonte Landrat Kreis Nordfriesland Florian Lorenzen, dass die Erneuerbaren ein gewaltiges Potential haben, um die Energieküste wirtschaftlich voranzubringen.
Berlin ist gefordert
Herausforderungen bestehen in der Abstimmung mit der Bundespolitik. Joschka Knuth: „Die Agenda der Bundesrepublik passt nicht zu den derzeitigen Fakten. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Erneuerbare Energien sind die wirtschaftlichsten Erzeugungsquellen der Gegenwart,“ so Knuth.
Wir brauchen ein klares Bekenntnis zu den Erneuerbaren für den deutschen Strommarkt.
Energiebedarf wird Rekorde brechen
Vier Fachinputs gaben aktuelle Überblicke zur Flächenvorsorge, dem Wasserstoff-Kernnetz, Netzanschlüssen und Netzanschlussfragen aus Sicht der Stadtwerke. Das Innen-, Wirtschafts- und das Umweltministerium arbeiten gemeinsam daran, Flächen bereitzustellen und die Ansiedlung von nachhaltiger Industrie und Gewerbe in der Nähe von Netzverknüpfungspunkten zu ermöglichen. Das Beispiel Rechenzentren zeigte, dass der Energiebedarf in den nächsten fünf Jahren so stark steigen wird wie in den letzten 15 Jahren zusammen.
Vom Stand des Wasserstoffkernnetzes berichtete Anke Alvermann-Schuler, Gasunie Deutschland GmbH & Co. KG. „Alte Gasleitungen werden umgebaut: kleiner Aufwand, großer Nutzen.“ Sie sprach sich dafür aus, dass grüner Wasserstoff billiger sein müsse, um schnell mehr Nutzer zu gewinnen.
Energiewende funktioniert mit:
1. Bauen, 2. Netzanschluss,
3. Kapazitäten reservieren und Commitment! Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsleistung.
Erneuerbare legen zu - Anschluss stark gefragt
Michael Roth, Tennet TSO GmbH, berichtete von einem Run auf Umspannwerke. „Eine schnelle Lösung für Anschlüsse ist jetzt wichtig.“ Patrick Gravert, VSHEW – Verband der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V., Stadtwerke Elmshorn, stellte die Erfahrungen bei Netzanschlussanfragen vor, hier dominieren e-Moblität.
Beim Schleswig-Holstein Netz entfallen hingegen von gesamt 66 GW angefragten erneuerbaren Energien 27 GW auf Batteriespeicher, sagte Dr. Malte Hinrichsen, HanseWerk AG. Ein steigender Anteil der Erneuerbaren im Netz – insgesamt 227 Prozent in 2024 – und sinkende Netzentgelte für Haushaltskunden von 2024 bis 2026 voraussichtlich um 43%, geben sehr gute Signale.
Wir bieten nachweislich einen verlässlichen Netzbetrieb durch deutlich weniger Netzausfälle als der Bundesdurchschnitt.
Themeninseln zum Mitwirken
Die Infrastrukturforen Energieküste laden Macher:innen zum Mitmischen ein. So gab es auch bei der 8. Konferenz vier Themeninseln, bei denen die Teilnehmer ihre Ideen, Wünsche und Erfahrungen darstellen konnten. Als Ansprechpartner für Diskussionen und Austausch waren jeweils die Referenten der Fachinputs sowie weitere Experten dabei. Die Ergebnisse werden vom MEKUN gesammelt und zur weiteren Planung gesichtet.
Podiumsrunde: auf dem Weg zur Gunst-Region
Das 10-Punkte-Papier des Bundeswirtschaftsministeriums war eines der heißen Themen, die im Podiumsgespräch mit Joschka Knuth diskutiert wurden. „Was mir aktuell noch so ein bisschen fehlt, ist dass es jetzt wirklich konkrete Maßnahmen gibt, die uns auch letztendlich in der Umsetzung unserer Klimaneutralität helfen“ so Lisa Hebenstreit, Schleswig-Holstein Netz GmbH. Dr. Matthias Hüppauff, Wirtschaftsförderung Nordfriesland: „Was uns sicherlich alle sehr stört, ist der Hochlauf der Gasreservekraftwerke. Ich vermute mal, da ist keiner im Saal, den das besonders begeistert.“
Die Rahmenbedingungen und Regulatorik auf Bundesebene müssen nachziehen.
Weiter ging es um Flächenvorsorge: „Die Raumkonzeptentwicklung an der Energieküste ist sehr fortschrittlich und vorausschauend“, sagte Ute Ojowski, Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Und es wurden natürlich Netzausbau, Wasserstoff sowie die Regulatorik auf Bundesebene besprochen. Joschka Knuth fasste die Runde zusammen: „Wir sehen, wir können die verschiedenen Interessen ganz gut zusammenbringen und die technologische Entwicklung, die Infrastruktur entwickeln.“
Es gibt einen klaren Kurs im Ministerium hin zu einem klimaneutralen Schleswig-Holstein.
Die nachhaltige Zukunft ist wieder ein Stück näher gerückt. Das 9. Infrastrukturforum Energieküste findet voraussichtlich im Mai 2026 statt.
Die Teilnehmer der Podiumsrunde mit Joschka Knuth:
• Lisa Hebenstreit, Schleswig-Holstein Netz GmbH
• Anke Alvermann-Schuler, Gasunie Deutschland GmbH & Co. KG
• Dr. Matthias Hüppauff, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland mbH
• Ute Ojowski, Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
• Landrat Florian Lorenzen, Kreis Nordfriesland